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Oberstdorf.  Gestern, Heute und Morgen.
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Oberstdorf im Winter (1907)

So warb Oberstdorf Anfang des letzten Jahrhunderts um Gäste. Mit einem Prospekt im Reiseführer-Stil mit grossartigem Text und bilderreichen Beschreibungen der Vorzüge unserer Heimat.

  • 35 Seiten, einfarbig, Kupfertiefdruck
  • Herausgegeben vom Verkehrs und Kurverein Oberstdorf (heute Verschönerungsverein)
  • Photos von J. Heimhuber und W. Hagspiel
  • Gedruckt bei Meisenbach Riffrath & Co. München
  • Quelle: Das Prospekt liegt mir im Orginal vor

Eine Datierung war nur indirekt möglich, im Text ist von 17000 Gästemeldungen die Rede, die verfügbaren Daten geben für das Jahr 1910 ca. 19 Tausend Meldungen an. Daher schätze ich das Erscheinungsjahr auf ca 1907.

Der Text

An der südlichsten Grenzmarke des Deutschen Reiches liegt Oberstdorf, das Paradies des
Im bayerischen Allgäus, 843 m ü. d. M., in einem breiten ebenen Talkessel, von mächtigen Bergen umrahmt, die sämtlich, wie das Nebelhorn, die Höfats, die Mädelegabel mit Trettach- und Hochfrottspitze, das Hohe Licht, eine Höhe von 2000-2700 m erreichen. Als Sommerkurort mit einer Fremdenfrequenz von über 17000 Personen pro Jahr seit einer langen Reihe von Jahren wegen seiner prächtigen und geschützten Lage und der unerreichten Mannigfaltigkeit der herrlichsten Ausflüge und Touren geschätzt und gepriesen, ist Oberstdorf dank seines vorzüglichen Winterklimas und der hervorragenden Eignung seines Geländes zu allen Arten des Wintersports, und nicht zuletzt dank seiner rührigen Arbeit von Jahr zu Jahr in seinem Ansehen auch als Winterkurort gestiegen, so dass es heute unter den bayerischen Hochgebirgs-Winterstationen mit in erster Reihe steht.

Amza Croissant-Rust, Pasing, erzählt:

„Treibt mirs der Schneewind hier auf der Hochebene ‚zu bunt und orgelt mir Tag und Nacht die Ohren voll, so weiss ich wohin: ich flüchte, um seinem Gestöhn zu entgehen, ich schlage ihm ein Schnippchen und verziehe mich nach Oberstdorf. Wenn ich von fern das jäh emporstrebende Gezack der Allgäuer Berge am Horizont auftauchen sehe, fällt alles Graue, alles Verhockte und alles Mürrische von mir ab und ich fühle mich frei und von Heiterkeit erfüllt, wenn ich in den weiten, sonnendurchleuchteten Kessel von Oberstdorf einfahre, das mich behaglich und weich in seinem Schneenest ruhend, strahlend in der Sonne, empfängt. Der dunkle Schattenberg beschützt es und der hochfahrende Himmelschrofen‚ das Söllereck steht Wacht und dahinter steigen in wilder Linie, in zerrissener Kontur die Krottenköpfe auf, der Kratzer, die majestätische Trettachspitze und die Mädelegabel. Wahrlich ein Anblick, um den allein es sich lohnt, ohne jedes andere Motiv, ins Allgäu zu fahren.

Und dann die Wintermorgen dort! Da liegt man im weichen Federbett einer netten Südstube, draussen friert es’, dass es förmlich kracht und dampft — zwanzig Grad! Nichts rührt sich, es ist, als halte sich alles geduckt vor der Kälte, kaum dass einmal ein Tritt über die Strasse
schreit! Da kommt langsam hinter den Bergen ein blutrotes, wunderliches, riesengrosses Gestirn zum Vorschein, wie ein gigantischer glühender Ballon, schwebt in grau und violettem Dunst, tastet mit ein paar Strahlenfingern nach dem Ort — da und dort glimmt und flirrt ein Fenster; auf einmal ist das ganze Tal, noch rauchend vor Kälte, von Sonne erfüllt, wächst förmlich in eine Heiterkeit hinein, die später, gegen die Mittagszeit fast jubelnd und triumphierend wird’. Wie im März fangen die Dächer an zu tropfen, an der Südwand des Hauses — mag auch an solchen Tagen in der Nacht die Kälte wie ein "Währwolf" hereingefallen sein — kommt es bis zu 25 und 30 Grad Wärme und man kann sich getrost und beschaulich auf ein Bänklein setzen oder legen, kann träumen, meditieren, eine Krankheit pflegen, die die Sonne austreiben soll, oder bewundern, welch glitzernde, fröhliche Pracht ringsum ist. Wer davon sprach, dass er im Januar in Oberstdorf
im Freien Kaffee getrunken, hat nicht in der Sprache Münchhausens geredet. Ich bin selbst so manche Stunde in den warmen, stets windstillen Mittagstunden vor dem Hause gesessen, den stummen, stolzen, weissleuchtenden Kranz der Berge vor mir.

O dieses herrliche, leuchtende, fleckeplose Weiss überall! Diese Millionennglitzernder, aufstrahlender Sterne! Die Bäume dick voll Rauhfrost mit ihren fein ziselierten Aestchen und den breiten Kronen, die Stauden am Weg im dicken, weissen Pelz — mag das nun an dem breiten Weg sein gegen die reizende alte Kapelle Loretto oder am neuen Spazierweg an der Südseite des Ortes: überall istWärme und Sonne, überall ist Windstille, überall das weite, weite Weiss!

Lesen Sie umbedingt weiter hier unten auf den Abbildungen der Orginalseiten:

Das Prospekt

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